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Da es diverse Ansichten bezüglich der Auslegung des Sprengstoffgestzes gibt habe ich mir erlaubt hier einige Fakten zu sammeln. Dies kann zur Vorlage bei Ihrer Behörde dienen und Ihnen im Vorfeld einer Beantragung einer sprengstoffrechtlichen Erlaubnis helfen sich bestens vorzubereiten.

Über folgene Themen werden hier in nächster Zeit Abhandlungen zu lesen sein:

Bedürfnis für den §27 SprengG

Verwahrung von Treibladungspulver

Der Arbeitsplatz

Auflagen - Einschränkungen - Bedingungen im Erlaubnisheft


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Bedürfnis für den §27 SprengG

Das Bedürfnis zum Umgang mit Treibladungspulver ist in jedem Fall eine Einzelfallentscheidung und muss als solche plausibel sein und dem Zweck des Bedürfnisses entsprechen. Der Mindestinhalt dieser Erklärung ist nachfolgend fett gedruckt und Zitate kursiv.

Wie sieht das Bedürfnis nun aus?  
Auf einem Bogen Papier mit Ihren Adressdaten müssen Sie folgenden Umstand erklären:

Ich benötige für das Laden und Wiederladen von Patronenmunition laut nachfolgender Aufstellung folgende Mengen an                <X>  Nitrozellulosepulver       <X>  Schwarzpulver

benutzen Sie das Berechnungsblatt (dem Antrag beilegen) das Sie in der Rubrik Formulare/Links  finden und berechnen Sie dort nach Kaliber die Füllmengen und Patronen auf fünf Jahre hin aus. Erklären Sie warum Sie beispielsweile Schwarzpulver benötigen wo doch eigentlich nur NC-Pulver geladen wird. Es ist nicht jedem im Amt bekannt dass es Schwarzpulverdisziplinen ebenso gibt wie Patronenmunitionswaffen wie bsplw. das Sharp 1870.

Wo Sie mit den Patronen schießen müssen Sie nicht durch einen Verein oder Schießstätte bestätigen lassen.
Wenn Sie keine eigene Waffe mit einem bestimmten Kaliber besitzen können Sie die Patronen dennoch selbst fertigen. Die hergestellten Patronen unterliegen dem Sprengstoffgesetz und nicht dem Waffengesetz. Das wird von manchen Behörden nicht so gesehen, ist aber so. So gibt es Schützen die sich gemeinsam ein Scharfschützengewehr kaufen und jeder bringt seine eigene Munition zur Meisterschaft mit. Da dies nicht üblich ist kann Sie die Behörde schon mal um eine Bestätigung des Waffenbesitzers bitten. Ein genereller Ablehnungsgrund ist dies hingegen nicht, kommt aber häufig vor wenn der Antragsteller über keine eigene WBK verfügt und dauerhaft auf Fremdwaffen angewiesen ist. Wie scharf die Trennung von WaffG und SprengG ist sehen wir am §10 WaffG Abs. 3 Satz 3 Die Erlaubnis zum nichtgewerblichen Laden von Munition im Sinne des SprengG gilt auch als Erlaubnis zum Erwerb und Besitz dieser Munition. Es ist also ähnlich wie beim Jäger der unter Vorlage seines Jagdscheines Langwaffenpatronen kaufen kann für die er gar keine eigene Waffe hat. Auch diese darf er besitzen und lagern. Eine Erwerbsberechtigung ist definitiv nicht erforderlich. Nicht im WaffG und nicht im SprengG. Sie dürfen bsplw. mit einer WBK mit Eintragung einer KK-Sportwaffe auch eine GK-Langwaffe ausleihen und zum Schießstand transportieren und dort schießen. Die Munition ist bei der Überlassung von bis zu 4 Wochen inklusive. Kaufen? Kaufen dürfen Sie diese Munition nicht. Selbst wenn Sie Ihre WBK und den Verwahrungsschein des Eigentümers vorlegen werden Sie keine Patrone im Laden erhalten. Aus diesem Grunde ist es auch nicht wichtig ob Sie schon eine WBK haben oder auch nicht.

Berufen Sie sich auf die allgemeine Sprengverwaltungsvorschrift zum Sprengstoffgesetz der SprengVwV 4.1
Dort finden Sie zu diesem Thema folgende Erläuterung:
27.8 Ein Bedürfnis (§ 27 Abs. 3 Nr. 2 SprengG) liegt vor, wenn der Antragsteller ein berechtigtes wirtschaftliches,
berufliches oder sonst begründetes persönliches Interesse am Umgang mit explosionsgefährlichen
Stoffen oder am Erwerb oder der Beförderung nachweist.


Dies setzt also das Schriftstück voraus das Sie eben aufsetzen.

Es geht aber auch einfacher:

In der gleichen Vorschrift finden Sie unter dem Punkt 28.8.2 folgenden Satz:

27.8.2 Ein Bedürfnis ist anzuerkennen für den Erwerb, das Aufbewahren und das Verwenden von
– Treibladungspulver zum nichtgewerblichen Laden und Wiederladen von Patronenhülsen und
zum Vorderladerschießen bei Mitgliedern einer schießsportlichen Vereinigung, denen die Vereinigung
bescheinigt, dass sie am Übungsschießen des Vereins regelmäßig und erfolgreich mindestens
sechs Monate teilgenommen haben,
– Treibladungspulver zum nichtgewerblichen Laden und Wiederladen von Patronenhülsen bei Inhabern
eines gültigen Jahresjagdscheines,  ff


WL
Hier könnten Sie eine Bescheigung Ihres Vereines vorlegen aus dem zu ersehen ist dass Sie schon seit sechs Monaten regelmäßig am Übungsschießen teilnehmen. Also auch hier kein Zwang zur eigenen Waffe, sprich WBK.
VL
Gleiches mit dem Vorderlader ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, aber unüblich. Da Sie den direkten Umgang mit dem Schwarzpulver nicht haben dürfen - also auch nicht auf dem Schießstand - scheint es fast unmöglich zu sein jemanden zu finden der einem sechs Monate lang den Vorderlader lädt um dann damit selbst zu schießen.  

der fehlende Satz betrifft das Böllern und lautet:
– Böllerpulver für das Böllerschießen zur Pflege des Brauchtums bei feierlichen Anlässen.
Hier sind Sie nun wieder gefragt was SIE unter Brauchtum verstehen. Der Begriff ist nicht weiters definiert und so ist für einen Bayer Brauchtum was völlig anderes als für eine Hamburger. Wenn Sie gerne an Geburtstagen für Ihre Familie böllern ist das IHR Brauchtum und damit ein Bedürfnis. Die Mitgliedschaft in einem Verein ist hierzu nicht erforderlich. Es gibt weder Böllervereine noch ist ein Brauchtums- oder Heimatverein mit Böllergeräten unterwegs und selbst ein Schützenverein kann - muss aber nicht - mit der Böllerei zu tun haben.

Was gibt es noch zu beachten:
Den Nachweis über ein Bedürfnis können Sie nur erfüllen wenn Sie nachfolgende Kriterien erfüllen:
27.8.1 In Betracht kommen insbesondere
– die Verwendung von Sprengstoffen zur Ausführung von Sprengarbeiten, z. B. zu Kultursprengungen,
– die Verwendung von explosionsgefährlichen Stoffen zu wissenschaftlichen oder Forschungszwecken,
– die Verwendung von Treibladungspulver zum Laden und Wiederladen von Patronenhülsen oder
zum Böller- oder Vorderladerschießen, wenn die für die Waffen erforderlichen Erlaubnisse vorliegen.


Mit Sprengung und Forschung haben wir nichts zu schaffen doch der Punkt 3 betrifft unseren Umgang.
Wir dürfen also die Pulver nur in den Waffen und Geräten verschießen für die wir eine Erlaubnis zum Schießen haben. Alle Waffen und Geräte müssen also über ein gültiges Beschusszeichen verfügen. Das ist nicht bei jeder Waffe der Fall und bei Vorderlader ein >Kann< aber nicht ein >Muss< und bei den Böllern ein Problem, denn selbst wenn ein Beschusszeichen darauf eingestempelt ist bedeutet das noch lange nicht dass es auch noch Gültigkeit hat. Böller müssen alle fünf Jahre erneut beim Beschussamt vorgelegt werden und dürfen nur dann geschossen werden wenn die Beschussbescheinigung im Original vorliegt.

Hierzu gibt es nun noch ein Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts Hannover das sich darüber hinaus auch noch mit dem Überlassen selbstgefertiger Munition an Dritte beschäftigt.

Urteil Aktenzeichen:  Az.: 10 A 6817/03

als schönes Beispiel eines Antrage erhalten Sie hier das pdf des Landratsamtes Heidenheim

Generell gilt:  Es müssen NICHT ALLE Begründungen und Bestätigungen vorliegen oder zutreffen. Das Bedürfnis muss in sich schlüssig sein und der angeforderte Bedarf an Pulver muss in einem Verhältnis zu sportlichen oder jagdlichen Aktivitäten stehen. Denken Sie daran dass nicht abgeforderte Mengen an Pulver bei der Verlängerung der Erlaubnis auch von Amtsseite gekürzt werden können wenn Sie das Bedürfnis auch mit weniger Pulver erfüllen können.

Die waffenrechtliche Behörde ist keine Regulierungsbehörde die unser Bedürfnis in Bezug auf die erforderliche Mengen eigenmächtig einschränken darf. Wenn Ihnen geringe Mengen angeboten werden - mit der Möglichkeit auf Nachtrag bei ausgeschöpfter Menge - bestehen Sie auf die gebührenfrei Erhöhung des Kontingent, oder verweisen Sie auf Ihre Zuverlässigkeit und die daraus resultierende Ehrlichkeit Ihrer Angaben.

Selbstgeladene Muntion dürfen Sie, sofern Sie auch über erwerbscheinpflichtige Munition verfügen, gemeinsam im Stahlblechschrank mit Schwenkriegelschloss aufbewahren. Ist Ihre Erlaubnis nach fünf Jahren abgelaufen und Sie haben oder wollten diese nicht auf weitere fünf Jahre verlängern lassen dürfen Sie die Patronen noch 6 Monate lang besitzen. Hier ist der Unterschied zwischen WaffG und SprengG sehr deutlich. Sie dürfen alle selbstgebauten Patronen besitzen und der Sportschütze mit seiner 9mm verliert seine Zuverlässigkeit wenn bei der Nachschau eine einzige Schrotpatrone bei ihm gefunden wird.

Abgesehen davon dürfen Sie selbstgebaute Patronen nicht anderen überlassen. Gegen Geld wäre der §7 mit einer umfangreichen Prüfung für den gewerblichen Umgang erforderlich und der Sportschütze darf nur Munition mit den üblichen Zulassungsmerkmalen verschießen (sprich CE Kennzeichnung).

Es gibt einige Fallbeispiele die in der letzten Zeit an mich herangetragen wurden. Natürlich kann ich nicht in jedem Fall der Vermittler zwischen Ihnen als Antragsteller und der Amtsperson sein. Wenn Ihnen Einschränkungen in der Ausübung Ihres Hobbys gemacht werden, mit denen Sie nicht einig sind, verlangen Sie die Entscheidung schriftlich. Nur dann haben Sie die Möglichkeit die Entscheidung nachzuvollziehen und nur dann können Sie Rechtsmittel gegen den Bescheid einlegen. In vielen Fällen ist das sehr hilfreich und es dürfen Ihnen als Bürger keine Nachteile im (späteren) Umgang mit der Amtsperson entstehen. Denken Sie bitte immer daran dass die Amtsperson der Mittler zwischen dem Gesetz und Ihnen als Bürger ist. Er dient Ihnen und nimmt dafür unsere Steuergelder.

In ganz harten Fällen können Sie für ca. 350.-€ Gebühren eine Klage beim Verwaltungsgericht anstrengen. Das geht erst einmal problemlos auch ohne Anwalt. Nach einer Grundsatzentscheidung ob ein Verfahren eröffnet wird können Sie immernoch reagieren, oder falls es verworfen wird wissen Sie auch gleich wie es um Ihre Rechtsempfindung bestellt ist.

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